Wohl keine andere Sportart hat ihren Ursprung so sehr im bäuerlichen Leben wie das Hornschlittenfahren, denn der Urahn dieses heutigen schnittigen Sportgerätes liegt in einem bäuerlichen Arbeitsgerät zum Transport von Heu und Reisigbündel ("Schabe") von den tiefverschneiten Bergalmen und —wäldern zur Hofstelle. Bei uns in Südtirol wurde er auch "Ganzschlitten" genannt, dessen Abwandlung als "Halbschlitten" auch zur Bringung von Baumstämmen ("Musln") eingesetzt wurde. Dies war eine harte und äußerst gefährliche Arbeit, da der Lenker im steilen Gelände oft beide Hände voll zu tun hatte, damit ihn die Last nicht überfuhr.

Nach und nach begann man Rennen als Gaudi zu organisieren, um zu sehen, wer wohl am besten mit dem Schlitten umgehen könne. Diese Rennen, häufig auch zusammen mit Rodelrennen organisiert, wurden hauptsächlich zur Unterhaltung der Fahrer, der Besatzung und der Zuschauer gefahren, wobei es noch sehr unformell zuging und man manchmal noch die kreisende Schnapsflasche am Schlitten vor dem Start — aus rein medizinisch und kältetechnischen Gründen, versteht sich — sehen konnte. Auch über das Reglement wurde häufig erst hinterher bei der Siegesfeier diskutiert, wobei sich Streitigkeiten bei einem guten Gläschen wie von selber auflösten.

Doch in verschiedenen Nationen regten sich bald findige Köpfe, die mit dieser Sportart höher hinaus wollten. Da in den Ländern der Alpenregion, in den einzelnen Tälern, ja oft sogar in den verschiedenen Dörfern große Unterschiede in den Regeln bestanden, begann man damit, länderübergreifende Rennen zu organisieren, um die besten Schlitten unter verschiedenen Gesichtspunkten (Schnelligkeit, Sicherheit, Manövrierfähigkeit, ...) herauszufinden und sich über ein gemeinsames Reglement zu einigen. Inzwischen steht ein anerkanntes und verbindliches Reglement für 2 Schlittenklassen (Rennklasse und Normalklasse), das bei den offiziellen Rennen zur Anwendung kommt.

Zudem begann man damit, Freunde für diese Sportart beim FIL, dem Internationalen Rodelverband, zu suchen und den Hornschlitten "salonfähig" zu machen. So wurde 1995 in Telfs (Österreich) die erste offizielle Europameisterschaft mit 28 Rennschlitten aus 5 Nationen (Österreich, Liechtenstein, Deutschland, Schweiz und Italien) und 17 Normalschlitten ausgetragen. Dabei waren auch 5 Damenschlitten, so dass insgesamt 50 Schlitten am Start waren.

Auch die Teams sind professionell geworden. Training gehört ebenso dazu wie Ausrüstung, Tüfteln am Schlitten und Teamarbeit: vorne de Lenker, der eine Belastung von mehr als 300 Kilogramm Schubkraft standhalten und den Schlitten mit Hilfe seine Spezialschuhe (Schischuhe mit aufgeschraubten Stahlplatten) zu Tal manövrieren muss. In der Mitte der Bremser, der seine Bremsmanöver mit den an den Kufen befestigten Bremstatzen genau "timen" muss, um den Lenker in die optimale Kurvenposition und —geschwindigkeit zu bringen. Bremser und Lenker müssen somit ein eingespieltes Team sein, sonst bedeutet die erste schnelle Kurve bereits das Aus. Der dritte Mann auf dem Schlitten ist der Läufer. Beim Start entscheiden seine Schnelligkeit und Kraft über wertvolle Sekunden und unterwegs hilft er durch optimale Gewichtsverlagerung zur besseren Kurvensteuerung entscheidend mit. Natürlich fahren alle Läufer inzwischen mit Sturzhelmen, und Schutzanzügen, um beim Stürzen das Verletzungsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.

Abgesehen von den menschlichen Komponenten spielt das Material eine wichtige Rolle. So ähnelt der heutige Renn-Hornschlitten mehr einer großen Rennrodel als dem alten Heuschlitten. Alle einzelnen Teile sind in Maß und Material genau durchgenormt. Die Schlitten sind beweglich geworden, haben ein niederes aerodynamisches Design, halben mit superschnellen Stahlplatten beschlagene Kufen, deren Neigungswinkel der Pistenbeschaffenheit gemäß eingestellt werden kann und sind meist noch toll lackiert.

Dem unermüdlichen Einsatz einiger schlittenbegeisterter Fanatiker, die viel Zeit und Geld aufgewendet haben, und der Unterstützung von privaten und öffentlichen Institutionen ist es zu verdanken, dass es nun im gesamten Alpenraum einen einheitlichen Hornschlitten-Rennsport und Rennen mit Athleten aus verschiedenen Nationen gibt; wie auch diese 2. Europameisterschaft 1997 in Villanders.